Niederlage des stolzen Außenseiters

Quelle:
Leverkusener Anzeiger
Autor:
Frank Graf
Foto:
Uli Herhaus

Niederlage des stolzen Außenseiters

Der SV Schlebusch liefert beim 1:3 gegen Alemannia Aachen einen leidenschaftlichen Pokalfight

Trotz des nasskalten Herbstwetters waren gut tausend Zuschauer im Bühl Zeugen der Mittelrhein-Pokalpartie zwischen dem Landesligisten SV Schlebusch und dem zwei Klassen höher angesiedelten Regionalligisten Alemannia Aachen. Dieser hatte sich die Aufgabe gewiss leichter vorgestellt. Am Ende benötigte der ehemalige Bundesligist schon einen erheblichen Kraftakt und einiges an Glück, um durch einen 3:1 (2:1)-Erfolg in die nächste Runde einzuziehen

Schlebuschs Trainer Stefan Müller war bei der Nachbetrachtung hin- und hergerissen, er sagte: „Natürlich bin ich sehr stolz darauf, was wir und unser Umfeld geleistet haben. Aber ich weiß auch, dass sportlich mehr für uns drin war, auch wenn sich das seltsam anhört. Aber die Zuschauer haben ja gesehen, dass es über weite Strecken ein Spiel auf Augenhöhe war.“

Amine Azzizi war auch von “leibhaftigen” Regionaligisten nur mühsam zu stoppen

Insbesondere die ersten beiden Gegentore beschäftigten den Trainer sehr, denn sie waren absolut vermeidbar. Beim 0:1 nach elf Minuten profitierte Aachens Manuel Glowacz von einem Missverständnis zwischen SVS-Schlussmann Christoph Geschonneck und Niklas Hammes, und beim 1:2 nach 32 Minuten fälschte Dominik Dohmen einen eher harmlosen Schuss von Glowacz unhaltbar mit dem Oberschenkel ab. „Es ist bitter, wenn man sich nochmals vor Augen hält, wie die Gegentore entstanden sind“, so Müller.

Zwischendurch war den ausgesprochen mutig auftretenden Platzherren das 1:1 gelungen, als Mannschaftskapitän Tim Herbel nach 27 Minuten von Nico Annas mit einem punktgenauen Pass in die Tiefe bedient wurde und dann eiskalt vollstreckte. Schon zu Beginn rieben sich viele Zuschauer verwundert die Augen, als Schlebusch die Gäste sofort richtig beschäftigte.

Insbesondere nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein typischer Pokalkampf mit vielen Zweikämpfen und wenigen fußballerischen Schmankerln. Nach 50 Minuten holte Aachens Peter Hackenberg Schlebuschs Angreifer Marcel Schulz kurz vor der Strafraumgrenze wenig regelkonform von den Beinen, was die Rote Karte nach sich zog, weil der Schiedsrichter diese Szene als Notbremse interpretierte.

Während die Aachener von einem ganz normalen Zweikampf sprachen, sahen andere einen ungestümen Einsatz und ein Foulspiel. In Unterzahl gelang den Alemannen in Sachen Offensivspiel kaum etwas Nennenswertes, was auch daran lag, dass der Landesligist clever verteidigte, oftmals kaum Räume zuließ und dabei einfach nicht nachlassen wollte. Nachdem zuvor Marcel Schulz noch an Aachens Torhüter Daniel Zeaiter gescheitert war, hatte Niklas Hammes mit Ablauf der regulären Spielzeit die beste Chance des SVS nach der Pause, verfehlte das Gehäuse jedoch um wenige Zentimeter.

In der dritten Minute der Nachspielzeit brachte dann ein Konter, abgeschlossen von Blendi Idrizi, die Entscheidung. Dennoch bedankten sich die Fans der Gastgeber zurecht mit Ovationen, während die Gäste erst einmal tief durchatmeten. Es war eine nachhaltige Werbung für den Amateursport, weil einfach alles reibungslos ablief, sowohl auf als auch neben dem Platz.